• Sarah

Let´s talk about Kink, Baby! Kommunikation und Consent im Spiel

Lasst uns heute darüber sprechen, wie wir miteinander sprechen. Wusstest du, dass man manchmal nicht nur Worte benutzt, um sich mitzuteilen?

Man sollte vor, während und nach einer BDSM-Session miteinander kommunizieren. Ein paar Rahmenbedingungen helfen uns dabei, uns im Spiel frei zu bewegen und ohne Zweifel miteinander zu agieren. Und Kommunikation ist laut Sascha immer noch das beste Gleitmittel...




 

Ganz von vorn


Um über unsere Bedürfnisse zu reden, kann manchmal nicht einfach sein, vor allem dann, wenn wir sie noch nicht einmal genau benennen können. Wir öffnen uns, zeigen eine verletzliche, vielleicht mit Scham besetzte Seite. Vielleicht haben wir außerdem gelernt, dass man über sexuelle Vorlieben und Fantasien nicht spricht, oder sie gar schmutzig sind.


Der erste Schritt liegt jedoch bei jedem selbst: Wir müssen uns mit unseren Bedürfnissen und Kinks auseinandersetzen und für uns selbst festlegen, was wir wollen und was nicht. Hier lohnt es sich, mit seinen innersten Fantasien und auch Abneigungen oder Ängsten zu beschäftigen. Das kann Spaß machen! Das Kernthema ist hier nicht irgendeines: Es ist das erotische Kernthema*, welches erkannt und ausgelebt, sexuell und persönlich frei machen kann.


Im Gespräch mit der:m Partner:in ist es durchaus angebracht, gewisse Leitfäden der Kommunikation zu beachten. Am besten sucht ihr euch einen Termin, bei dem allen vorab Teilnehmenden das Thema bekannt ist. Wenn die Möglichkeit besteht, kann man sich an einen neutralen Ort begeben. Das Bett, das ihr euch teilt ist also nicht unbedingt zu empfehlen. Macht euch (zusammen) bewusst, dass es Vertrauen erfordert, über seine intimsten Wünsche zu sprechen und versucht, im Zweifel das Gesagte nicht auf euch zu beziehen. Jeder hat seinen eigenen Kern und seine eigene Vorgeschichte und Entwicklung. Es geht eher darum, vorurteilsfrei Verständnis aufzubauen und gemeinsame Möglichkeiten zu entdecken.


Fantasien sind für den/r Partner:in einfacher zu verstehen, wenn man anfangs eher das Gefühl beschreibt, was man sucht, als eine Technik. Ansonsten kann schnell das Kopfkino anspringen, das einen Film abspielt, den ihr gar nicht einlegen wolltet.

Beispiel Spanking: Dir läuft es heißkalt den Rücken herunter bei der Vorstellung, dass dir dein:e Partner:in bei Kerzenschein im Bett den Hintern mit der Hand versohlt, weil du ihm:ihr nahe sein magst und Interesse an leichtem Schmerz hast? Formuliert im Gespräch könnte es dann im schlechtesten Fall so aussehen:


A: "Ich möchte gern von dir geschlagen werden."

Kopfkino (BDSM-Neuling) B: Folterkeller, kaum Licht, kalte Wände, Lack und Latex, Peitsche, Schmerzensschreie...

You see?



 

Sobald für euch klar ist, in welche Richtung ihr miteinander gehen wollt, könnte es sinnvoll sein, einen Rahmen für euer Spiel festzusetzen. Hilfreiche Fragen, um diesen Rahmen zu füllen, könnten sein:


- Was darf/soll immer passieren? (Euer beider "Fuck yeah!")

_ Was kann in der richtigen Stimmung passieren? Was wollt ihr vielleicht zusammen entdecken, habt aber noch keine Erfahrung gesammelt?

- Was darf niemals passieren? (Hier sollten, soweit bereits bekannt, auch Themen wie negative Trigger und Abneigungen besprochen werden.)


In diesem Feld können sich alle Beteiligten frei und ohne Angst bewegen. Das Ziel ist hier, auf Seiten aller Beteiligten Zweifel auszuräumen, um ein angenehmes Spielerlebnis für alle zu ermöglichen.

Dieser Rahmen ist nicht fix und verändert sich erfahrungsgemäß mit der Zeit, wachsendem Vertrauen in die:den Spielpartner:in oder abgelegten sowie neuentdeckten Vorlieben.


Im BDSM gibt es verschiedene Rollen, die die Spielpartner einnehmen können.

Beliebte und bekannte Rollen sind z.B.:


Brat & Tamer

Dom(ina) & Sub

Rigger(in) & Bottom

Prey & Predator

Pet & Besitzer(in)/Trainer(in)


Alle genannten Rollen können von allen Geschlechtern eingenommen werden, jede:r wählt seine eigene Bezeichnung. Diese Beispiele sollen eine grobe Idee verschaffen, was für euch interessant sein könnte, euch aber in keine Schublade stecken. Die Übergänge sind fließend, natürlich nehmen Menschen auch gleichzeitig mehrere Rollen ein, je nach eigenen Vorlieben.




 

Los geht´s!


Consent muss auch während der Spielsession eingehalten werden. Man kann jederzeit seine Meinung ändern. Auch die Tagesform entscheidet darüber, worauf man Lust hat.

Hier gibt es verschiedenste Möglichkeiten, euch verbal als auch non-verbal zu verständigen. Damit das gelingt, schlagen wir vor, vorab eure Signale zu besprechen.


Für Sascha und mich funktioniert das Ampelsystem als Safewords:


Gelb bedeutet, dass die Situation irgendwie verändert werden muss, dafür müssen wir miteinander einchecken, denn niemand kann Gedanken lesen.

Bleiben wir beim Thema Spanking: Gelb könnte bedeuten, dass die Intensität zu groß wird/ist, dass der Rythmus verändert werden sollte, dass die Körperstelle verändert werden sollte, dass einer von uns sich die Nase putzen muss, eine kurze Pause braucht, um etwas zu trinken usw.

Rot bedeutet Spielabbruch. Und zwar unverzüglich, da entweder der Körper oder die Seele in Gefahr geraten ist. Vorhaltungen und enttäuschte Erwartungen haben hier keinen Platz. Eine Person ist ernsthaft in Gefahr oder hat ein Limit überschritten und braucht demnach Hilfe.


Ein kleiner Tipp: Gute Kommunikation und authentische Rückmeldungen können eure Spielerfahrung erheblich verbessern und es der:m Spielpartner:in deutlich erleichtern, die Situation und euer Empfinden richtig einzuschätzen. Haltet eure Gefühle nicht zurück, sobald Zweifel aufkommen, redet miteinander, um ernsthafte Verletzungen der Seele oder des Körpers zu vermeiden.

Sollte doch mal etwas passieren, kommt es darauf an, wie man danach miteinander spricht, die Situation bewertet und einordnet. Versucht, verständnisvoll miteinander umzugehen und fangt einander auf. Daraus lernt man im besten Fall.


Die Welt der nonverbalen Signale ist schier endlos. Da jeder seine Lust anders ausdrückt, möchten wir ein paar Hinweise geben, an denen man erkennen kann, dass der Körper und der Geist sich einer Grenze nähern oder diese bereits überschritten haben.


- Atem wird angehalten; geht stockend oder sehr flach

- übermäßiges Schwitzen

- eiskalte Hände oder Füße

- Herzschlag stark beschleunigt

- Pupillen werden starr, kein oder kaum Blickkontakt mit der:m Partner:in möglich

- Muskeln krampfen sich zusammen

- Kopfschütteln


Achtet bei euch und eure:r Partner:in auf diese Signale, denn einigen Menschen fällt es aus unterschiedlichsten Gründen schwer, ein Safeword zu benutzen.



 

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel


Manche Spielpartner tun es während der Aftercare, andere brauchen erst eine gewisse Zeit für sich, vielleicht um Gefühle und Eindrücke einzuordnen: Sie suchen das Gespräch, um miteinander über das Erlebte zu reflektieren. Dieser Austausch kann sehr intim und aufregend sein, so haben doch die Beteiligten ziemlich unterschiedliche Erfahrungen während einer Session, denkt man nur einmal kurz an eine:n Rigger:in und ein Modell/Bottom. Produktiv wird es dann, wenn beide sich darauf einlassen, gut zuhören und vorurteilsfrei annehmen, was der:die Spielpartner:in zu erzählen hat.

Fragt euch gegenseitig aus, tragt das Herz auf der Zunge und versucht, verständnisvoll zu sein.


Mögliche Fragen in beide Richtungen könnten sein:


Wie fühlst du dich gerade?

Was hat dir am Besten gefallen?

Was möchtest du beim nächsten Mal wieder/intensiver/anders erleben?

Warst du in einem guten Mindset?


Und auch:


Was war nicht so gut für dich?

Hat dir etwas gar nicht gefallen oder ein blödes Gefühl ausgelöst?



Für viele Menschen ist es wertvoll, Bestätigung nach einem Spiel zu bekommen, sei es für ihre Stärke, ihr Durchhaltevermögen, ihre Hingabe, ihre gute Führung usw.

Manche Sessions sind mit intensiven Emotionen und Empfindungen verbunden, die aufreibend für alle Parteien sein können. Am Ende wieder beieinander anzukommen und sich wertschätzend auf Augenhöhe zu begegnen kann darüber entscheiden, wie wir die vergangene Session bewerten.



Nicht nur für uns hat das Thema Kommunikation und Consent einen hohen Stellenwert, auch unsere Workshop-Teilnehmer nehmen viel aus unseren Workshops mit:


Wir sind immer noch beeindruckt von der vorbildlichen Kommunikation, die ihr vermittelt habt. Nun sehen wir BDSM noch einmal klarer und mit anderen Augen. Da kann man auch über das gemeinsame Spiel hinaus eine Menge dazu lernen. Ein Workshop, der sich definitiv für uns gelohnt hat.
 

*Wenn euch das Thema interessiert und ihr mehr über Consent, Kommunikation und das erotische Kernthema erfahren wollt, freuen wir uns, euch in unserem Online Workshop oder in einem Privat-Coaching zu sehen.


Alle Bilder dieses Beitrags sind von unserem "Bondage für Fotografie" Workshop-Teilnehmer Luca, lieben Dank, die Ergebnisse sind großartig!


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